Junge Liberale Bielefeld

Jeden 2. und 4. Dienstag im Monat, 18.30 Uhr, Kreisgeschäftsstelle, Prinzenstr. 14

24. Februar 2010

Blog Post: Kinder und Jugendliche im Zeitalter der 24-Stunden-Medien

Von André Kolley

Die Frage der Medien (insbesondere PC und Fernsehen) und ihrer Nutzung durch Kinder und Jugendliche ist mit der Zeit immer relevanter geworden. In der jüngsten Vergangenheit haben sich in der Diskussion dazu zwei Strömungen herausgebildet. Auf der einen Seite die Kritiker wie etwa Hirnforscher Manfred Spitzer: Diese monieren, dass „das Fernsehen dick, dumm und gewalttätig macht“. Auf der anderen Seite Experten wie z. B. Remo Largo, welcher sagt, dass das „Erziehen heutzutage bedeutet, [Kinder] so zu bilden, dass sie sich in der modernen Welt zurechtfinden können. Moderne Technik und Medien sind ein Teil davon.“

Doch angesichts streitender ExpertenInnen scheint es überdies auch den Eltern schwer zu fallen, bei den vielen Diskussionen verwertbares für die eigene Erziehung herauszuziehen. Das gängigste Mittel scheint für die Eltern auch heutzutage noch zu sein, Verbote auszusprechen, um ggf. über die eigene, mangelnde Kompetenz hinwegzutäuschen. Damit scheint aber keinem der Beteiligten geholfen zu sein: Im Gegenteil, die Kinder und Jugendlichen fühlen sich unverstanden, die Eltern überfordert und ein teilweise deutlich älteres Lehrerkollegium nicht in der Lage, praktische Tipps zu geben oder die Rolle als Vermittler zu übernehmen. Dabei scheint die Lösung genauso banal wie logisch zu sein: Miteinander reden und vor allem über das reden, was das Kind am Computer spielt oder welche TV-Sendungen oder Filme es sich ansieht. Dies aber würde ein gewisses Engagement voraussetzen, zu dem nicht alle Eltern Lust, Zeit oder Energie haben.

Dennoch ist auch hierbei anzumerken, das dies nicht die einzige (und vor allem nicht die Muster-)Lösung sein kann, denn viele Eltern haben gemäß Expertenansicht selbst „ein gestörtes Verhältnis zum Medienkonsum“ und ersetzen die Präsenzzeit der Kinder vor dem PC durch stumpfes Fernsehen. Allgemein gilt, dass das Problem der Mediennutzung nicht erst mit dem PC neu aufgekommen ist, sondern auch schon zu Zeiten der Fernseheinführung heftig diskutiert wurde. Wir als AK Bildung, Kultur & Ethik werden dieses sehr komplexe Thema weiterhin verfolgen und auch in den nächsten Sitzungen vertiefen. Dennoch halten wir ein erstes Resümee fest: Der Umgang mit den Medien, sowohl mit dem Fernseher als auch mit dem PC, kann natürlich schädlich sein bei zu intensiver Nutzung (Folge der Vernachlässigung realer Lebensweltprobleme), aber ebenso auch – bei gezielter und kompetenter Nutzung – tiefgreifendes Wissen vermitteln: Man betrachte an dieser Stelle nur einmal das Internet als eine Datenbank unendlichen Ausmaßes, nützlich etwa als Hausaufgabenhilfe.

André Kolley (27) studiert im Master Mathematik und Sozialwissenschaften auf Lehramt und ist Leiter des AK Bildung, Kultur & Ethik der JuLis Bielefeld.

19. Februar 2010

Spalek neuer FDP-Chef in Schildesche

Die Freien Demokraten in Schildesche haben auf ihrem Ortsparteitag am 8. Februar unsere beiden stellv. JuLi-Kreisvorsitzenden Gregor Spalek und Marvin Hartwig zu ihrem neuen Chef bzw. Vize-Chef gewählt. Der bisherige Ortsvorsitzende Thomas Wünsche, der auch Mitglied der Schildescher Bezirksvertretung ist, bleibt dem Ortsverband als Stellvertreter Spaleks erhalten. Für Jörg Schäfer, der bisher stellvertretender Ortsvorsitzender war, rückte Marvin Hartwig nach. Der neue Vorsitzende dankte Thomas Wünsche und Jörg Schäfer für ihre erfolgreiche Arbeit in den letzten Jahren. Schäfer, der zusammen mit Thomas Wünsche seit vielen Jahren das Wirken des Verbandes geprägt hat, trat aus beruflichen Gründen nicht mehr an.
Beide berichteten über die angestrebte „Ampel“-Zusammenarbeit im Rat. Die Freien Demokraten in Schildesche sind sich einig, dass in dieser finanziellen Krise die Politik die Bielefelder Wirtschaft stärken müsse, damit es in der Stadt wieder aufwärts geht und unsere Kommune endlich ein gesundes finanzielles Fundament bekommt. Der neue Ortsverbandsvorsitzende Gregor Spalek meinte:
„Solange wir in Bielefeld nicht genügend Arbeitsplätze haben, werden wir nie aus dieser Krise herauskommen. Die Arbeitslosen dürsten nach Jobs und finden meist keine, deshalb muss die oberste Aufgabe der Politik sein, die Rahmenbedingungen für die Bielefelder Wirtschaft so zu gestalten, dass endlich wieder neue Arbeitsplätze entstehen.“

18. Februar 2010

JuLis fordern Mixas Rücktritt

Die Jungen Liberalen Bielefeld sind entsetzt über die Aussage des katholischen Bischofs Walter Mixa, wonach die sexuelle Revolution mit Schuld sei an den Missbrauchsskandalen in der Katholischen Kirche. „Wer sexuelle Freiheit und Toleranz als Hauptursachen der Missbrauchsfälle ausmacht, der bagatellisiert die Taten“, äußerte sich Florian Sander, Kreisvorsitzender der JuLis Bielefeld. Nach Ansicht der JuLis versuche die Katholische Kirche damit wiederholt über ihr eigenes Kontrollversagen hinwegzutäuschen: „Statt die Schuld von sich zu weisen, muss die Kirche eine lückenlose Aufklärung unterstützen und eigene Strukturen hinterfragen“. Mit solchen Grundhaltungen beim Führungspersonal sei dies jedoch kaum möglich. Für Sander stehe daher fest, dass auch personelle Konsequenzen nun unerlässlich seien: “Hätte ein Politiker über die Jahre hinweg soviel Unsinn erzählt wie dieser Bischof, wäre er längst nicht mehr im Amt. Herr Mixa sollte endlich zurücktreten.”

13. Februar 2010

Blog Post: Öffentliches Interesse vs. Persönlichkeitsrechte?

Von Florian Sander

Nun ist es soweit: Die No-Angels-Sängerin Nadja Benaissa wird offiziell von der Staatsanwaltschaft angeklagt, da sie im Verdacht steht, eine Person mit dem HI-Virus angesteckt zu haben, obwohl sie von ihrer eigenen Infektion wusste. Dass die Öffentlichkeit nun von diesem gravierenden Verdacht und dem dazu gehörenden rechtsstaatlichen Vorgang der Anklageerhebung Kenntnis erhält, ist gut und richtig. Aber: Warum wusste sie schon im Frühling 2009 von dem Verdacht? Im April letzten Jahres war es geschehen: Benaissa wurde vor einem Auftritt in Frankfurt fest- und in Untersuchungshaft genommen, die Staatsanwaltschaft teilte wenige Stunden später der Öffentlichkeit den Verdacht mit und outete die Sängerin damit vor der Welt als HIV-positiv. Der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn rechtfertigte dieses Vorgehen im Anschluss damit, das Recht der Medien auf Information habe hier Vorrang vor den Persönlichkeitsrechten gehabt.
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8. Februar 2010

Blog Post: PISA – Eine Erfolgsgeschichte?

Von André Kolley

Im Jahr 2000 nahm Deutschland zum ersten Mal an den PISA-Studien teil. Die Ergebnisse waren ein Schock, der darüber hinaus durch die Medien noch zusätzlich transportiert und verstärkt worden ist. Im Nachhinein war die erste PISA-Teilnahme der Beginn einer weitreichenden Reform des deutschen Schulsystems. Anscheinend zum ersten Mal wurde der Kultusministerkonferenz bewusst, dass in Deutschland nicht für jedes Elternpaar die Bildung ein sehr wichtiges Gut ist. Des Weiteren hatte es vorher kein Test geschafft, das deutsche Bildungssystem dermaßen an den Pranger zu stellen, wie es PISA gelang. Das internationale Feedback war niederschmetternd, das Land der Dichter und Denker schien durch ein falsches Bildungssystem die eigenen Mitbürger/innen jahrelang völlig falsch unterrichtet zu haben. Mit die umfassendste Neuerung war dabei, dass nach PISA ein Wandel stattfand, der weg führte von der Input-Orientierung und alten Lehrplänen, hin zur Output-Orientierung und Bildungsstandards. Aber nicht nur an diesen Weichen wurde etwas geändert, auch die gesamte Institution Schule geriet zunehmend in den Blick. Schulwechsel nach der vierten Klasse, der Existenzzweck der Hauptschule und die Frage nach Gemeinschaftsschulen waren einige der Themen, welche in den Medien diskutiert wurden. Doch was ist nun davon geblieben?

Die Anmeldezahlen des Gymnasiums wachsen stetig, die Hauptschule beginnt erst im Laufe der Sek.1 zu wachsen und die Grundschule hat nun das Grundschulgutachten wieder eingeführt, aber war das der Sinn von PISA? Es ist fraglich, ob solche Tendenzen wirklich als eine erfolgreiche Reformwelle in die Geschichte eingehen werden; so manchen erinnerte es doch eher an die Mengenlehre-Welle nach dem Sputnik-Schock, welche auch nach einigen Jahren wieder abebbte. Insgesamt gilt nämlich auch für PISA, dass das Testprozedere nicht über alle Zweifel erhaben sein darf, die Ergebnisse sorgfältig analysiert werden müssen und Reformvorschläge zum deutschen Bildungssystem von fachfremden Medienvertreter/innen nicht überbewertet werden sollten. Denn eines wurde nie beachtet: Das deutsche Bildungssystem, auch wenn es zweifellos früh Druck ausübt, hat in der Vergangenheit viele erfolgreiche Menschen hervorgebracht, welche es mit eindrucksvollen Leistungen zu Weltruhm gebracht haben. Dies konnte das deutsche Bildungssystem bei allen viel geschmähten altmodischen Eigenheiten nicht verhindern. 

André Kolley (27) studiert im Master Mathematik und Sozialwissenschaften auf Lehramt und ist Leiter des Arbeitskreises Bildung, Kultur & Ethik der JuLis Bielefeld.

2. Februar 2010

Blog Post: Die Probleme des beitragsfinanzierten Wohlfahrtsstaates

Von Gregor Spalek

Die Debatten um die Probleme der sozialen Sicherungssysteme in Deutschland sind praktisch schon so alt wie die Systeme selbst. Das im 19. Jahrhundert von Otto von Bismarck durchgesetzte System der beitragsfinanzierten sozialen Leistungen war auf einen demografischen Zustand ausgerichtet, der von dem heutigen grundverschieden ist. Damals war der Anteil der Leistungsempfänger einer sozialen Sicherung gegenüber den voll erwerbsfähigen Personen sehr gering, allein schon aus dem Grunde, dass es nur wenige alte und dafür sehr viele junge Menschen gab. Gegenwärtig sind in der BRD rund 36 Millionen Menschen nicht erwerbstätig (Tendenz steigend!), gegenüber rund 42 Millionen Erwerbspersonen. Das bedeutet nichts anderes, als dass rund die eine Hälfte der Bevölkerung die andere finanzieren muss. Ein beitragsfinanziertes System stößt da schnell an seine Grenzen.
Will man keine gravierenden Leistungskürzungen vornehmen, so bleibt nur der Weg einer Beitragserhöhung. Da aber in unserem Bismarckschen System zur Finanzierung ausschließlich das Bruttoarbeitseinkommen einbezogen wird, schlägt sich eine Beitragserhöhung immer voll auf die Höhe der Arbeitskosten nieder und verteuert damit den Faktor Arbeit, der in Deutschland bekanntlich nicht gerade niedrig ist.
Wir brauchen deswegen langsam den Wechsel zur Steuerfinanzierung der sozialen Sicherungssysteme. Schon heute werden Teile der GKV, der GRV und der Arbeitslosenversicherung aus Steuermitteln finanziert, weil die Beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber nicht ausreichen. Dies wäre auch aus Gerechtigkeitsgründen vorteilhafter, denn viele Arbeitnehmer haben heute aufgrund niedriger Arbeitseinkommen zwar eine geringe Steuerbelastung, ihre Sozialabgaben mindern ihren Bruttoarbeitslohn jedoch oft beträchtlich – und der Mittelklasse schlagen dann eine hohe Steuerbelastung und die hohen Sozialbeiträge erst richtig zu Buche.
Wollen wir also den Standort Deutschland vor dem Hintergrund immer weniger werdender Erwerbspersonen stärken, dann sollten wir den Schwenk zu mehr Steuerfinanzierung unserer Sozialsysteme nicht scheuen.

Gregor Spalek (33) arbeitet als selbstständiger Pfleger und ist stellv. Kreisvorsitzender der JuLis Bielefeld.