Blog Post: Kinder und Jugendliche im Zeitalter der 24-Stunden-Medien
Von André Kolley
Die Frage der Medien (insbesondere PC und Fernsehen) und ihrer Nutzung durch Kinder und Jugendliche ist mit der Zeit immer relevanter geworden. In der jüngsten Vergangenheit haben sich in der Diskussion dazu zwei Strömungen herausgebildet. Auf der einen Seite die Kritiker wie etwa Hirnforscher Manfred Spitzer: Diese monieren, dass „das Fernsehen dick, dumm und gewalttätig macht“. Auf der anderen Seite Experten wie z. B. Remo Largo, welcher sagt, dass das „Erziehen heutzutage bedeutet, [Kinder] so zu bilden, dass sie sich in der modernen Welt zurechtfinden können. Moderne Technik und Medien sind ein Teil davon.“
Doch angesichts streitender ExpertenInnen scheint es überdies auch den Eltern schwer zu fallen, bei den vielen Diskussionen verwertbares für die eigene Erziehung herauszuziehen. Das gängigste Mittel scheint für die Eltern auch heutzutage noch zu sein, Verbote auszusprechen, um ggf. über die eigene, mangelnde Kompetenz hinwegzutäuschen. Damit scheint aber keinem der Beteiligten geholfen zu sein: Im Gegenteil, die Kinder und Jugendlichen fühlen sich unverstanden, die Eltern überfordert und ein teilweise deutlich älteres Lehrerkollegium nicht in der Lage, praktische Tipps zu geben oder die Rolle als Vermittler zu übernehmen. Dabei scheint die Lösung genauso banal wie logisch zu sein: Miteinander reden und vor allem über das reden, was das Kind am Computer spielt oder welche TV-Sendungen oder Filme es sich ansieht. Dies aber würde ein gewisses Engagement voraussetzen, zu dem nicht alle Eltern Lust, Zeit oder Energie haben.
Dennoch ist auch hierbei anzumerken, das dies nicht die einzige (und vor allem nicht die Muster-)Lösung sein kann, denn viele Eltern haben gemäß Expertenansicht selbst „ein gestörtes Verhältnis zum Medienkonsum“ und ersetzen die Präsenzzeit der Kinder vor dem PC durch stumpfes Fernsehen. Allgemein gilt, dass das Problem der Mediennutzung nicht erst mit dem PC neu aufgekommen ist, sondern auch schon zu Zeiten der Fernseheinführung heftig diskutiert wurde. Wir als AK Bildung, Kultur & Ethik werden dieses sehr komplexe Thema weiterhin verfolgen und auch in den nächsten Sitzungen vertiefen. Dennoch halten wir ein erstes Resümee fest: Der Umgang mit den Medien, sowohl mit dem Fernseher als auch mit dem PC, kann natürlich schädlich sein bei zu intensiver Nutzung (Folge der Vernachlässigung realer Lebensweltprobleme), aber ebenso auch – bei gezielter und kompetenter Nutzung – tiefgreifendes Wissen vermitteln: Man betrachte an dieser Stelle nur einmal das Internet als eine Datenbank unendlichen Ausmaßes, nützlich etwa als Hausaufgabenhilfe.
André Kolley (27) studiert im Master Mathematik und Sozialwissenschaften auf Lehramt und ist Leiter des AK Bildung, Kultur & Ethik der JuLis Bielefeld.