Junge Liberale Bielefeld

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8. Februar 2010

Blog Post: PISA – Eine Erfolgsgeschichte?

Von André Kolley

Im Jahr 2000 nahm Deutschland zum ersten Mal an den PISA-Studien teil. Die Ergebnisse waren ein Schock, der darüber hinaus durch die Medien noch zusätzlich transportiert und verstärkt worden ist. Im Nachhinein war die erste PISA-Teilnahme der Beginn einer weitreichenden Reform des deutschen Schulsystems. Anscheinend zum ersten Mal wurde der Kultusministerkonferenz bewusst, dass in Deutschland nicht für jedes Elternpaar die Bildung ein sehr wichtiges Gut ist. Des Weiteren hatte es vorher kein Test geschafft, das deutsche Bildungssystem dermaßen an den Pranger zu stellen, wie es PISA gelang. Das internationale Feedback war niederschmetternd, das Land der Dichter und Denker schien durch ein falsches Bildungssystem die eigenen Mitbürger/innen jahrelang völlig falsch unterrichtet zu haben. Mit die umfassendste Neuerung war dabei, dass nach PISA ein Wandel stattfand, der weg führte von der Input-Orientierung und alten Lehrplänen, hin zur Output-Orientierung und Bildungsstandards. Aber nicht nur an diesen Weichen wurde etwas geändert, auch die gesamte Institution Schule geriet zunehmend in den Blick. Schulwechsel nach der vierten Klasse, der Existenzzweck der Hauptschule und die Frage nach Gemeinschaftsschulen waren einige der Themen, welche in den Medien diskutiert wurden. Doch was ist nun davon geblieben?

Die Anmeldezahlen des Gymnasiums wachsen stetig, die Hauptschule beginnt erst im Laufe der Sek.1 zu wachsen und die Grundschule hat nun das Grundschulgutachten wieder eingeführt, aber war das der Sinn von PISA? Es ist fraglich, ob solche Tendenzen wirklich als eine erfolgreiche Reformwelle in die Geschichte eingehen werden; so manchen erinnerte es doch eher an die Mengenlehre-Welle nach dem Sputnik-Schock, welche auch nach einigen Jahren wieder abebbte. Insgesamt gilt nämlich auch für PISA, dass das Testprozedere nicht über alle Zweifel erhaben sein darf, die Ergebnisse sorgfältig analysiert werden müssen und Reformvorschläge zum deutschen Bildungssystem von fachfremden Medienvertreter/innen nicht überbewertet werden sollten. Denn eines wurde nie beachtet: Das deutsche Bildungssystem, auch wenn es zweifellos früh Druck ausübt, hat in der Vergangenheit viele erfolgreiche Menschen hervorgebracht, welche es mit eindrucksvollen Leistungen zu Weltruhm gebracht haben. Dies konnte das deutsche Bildungssystem bei allen viel geschmähten altmodischen Eigenheiten nicht verhindern. 

André Kolley (27) studiert im Master Mathematik und Sozialwissenschaften auf Lehramt und ist Leiter des Arbeitskreises Bildung, Kultur & Ethik der JuLis Bielefeld.

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